Gnade! Die schwersten Spiele meines Zockerlebens

Zerschrottete Tastaturen, vernichtete Gamepads, zerbissene Tischkanten – wer kennt sie nicht, diese Wutausbrüche und Hassattacken, wenn das Spiel der Wahl mal wieder Unmögliches von einem verlangt? Halte Unhorden von Feinden, die dir zahlenmäßig um ein Dreifaches überlegen sind, eine halbe Stunde auf, bevor sie dir den Hintern auf Grundeis setzen! Fahre zehn Minuten lang fehlerfreier als jeder Formel 1-Fahrer, ohne auch nur einmal daran zu denken die Leitplanke zu schrammeln! Infiltriere nachts bei herrlichen Sichtverhältnissen (ha ha!) auf dich allein gestellt ein Feindeslager, das von Soldaten bewacht wird, die auf 500 Meter Entfernung sofort bemerken, wenn du dich am Hintern kratzt und dir daraufhin sofort was zwischen die Augen geben! Jahaaa, da kommt Freude auf, nicht wahr?!

Aber gerade solche Spiele, die einen vor vermeintlich unlösbare Herausforderungen stellen, sind es, die einem immer als besondere Erlebnisse im Zockerleben in Erinnerung bleiben. „Mensch, weißt du noch, damals in Armed Assault…“ Ich fröne der negativen Nostalgie mal ganz unverblümt und zähle im Folgenden die ersten 3 von 12 Spielen insgesamt auf, die bei mir für Frust, Schweiß und Stirn-Tisch-Combos gesorgt haben. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle, jedes Spiel war eine Leidensgeschichte für sich. Wolle mer se reinlasse?

Schlacht um Mittelerde

Ach ja, was hat mich dieses Spiel innerlich bluten lassen… Gefreut hab ich mich da wie ein Schnitzel drauf, weil die Trailer mir den Glauben geschenkt hatten, dass es sich bei Schlacht um Mittelerde um ein eingängiges Rome in Mittelerde handelt, bei dem ich authentisch und mit tausenden Soldaten unter meiner Fuchtel die berühmten Schlachten der Trilogie nachspielen kann. Essig wars, stattdessen kommandiere ich kleine Häufchen Einheiten im WarCraft 3-Stil durch eine Kampagne, die eigentlich nur aus Skirmish-Missionen besteht. Wenn man wenigstens Nacktbilder von Legolas oder Arwen freispielen könnte, aber nein! Halten wir also mal die Voraussetzungen fest, die vor dem Casus Cnaxus herrschen: Die Begeisterung ist in etwa so hoch wie der Elan eines Ents, und die Freude ist in etwa so groß wie die der Orks, die sich massenweise von Aragorn und seiner Messercrew umnieten lassen dürfen. Also, ich würd da ja Depressionen kriegen… Egal, die hab ich dann sowieso gekriegt, als ich in einer dieser unsäglichen „Bau ein Lager und mach alles platt, was kein Pferd unterm Hintern hat“-Missionen der Rohirrim mein eigenes bescheidenes Quartier gegen die Anstürme zweier Ork-Festungen verteidigen sollte. Genialerweise sollte ich diese beiden Horte des Bösen aber auch noch dem Erdboden gleich machen. Kaum hab ich mal eine kleine Armee aufgestellt, um mich mal vorsichtig aus meiner Festung zu wagen, rücken auch schon die Orkse an und geben mir ordentlich eins auf die Löffel. Meine beschauliche Truppe geht dabei in geschlossenen Reihen über den Anduìn. „Na gut, was solls, bau ich halt noch eine Streitmacht…“ Tolle Idee, nur kaum hab ich die umgesetzt und möchte mal wieder ganz zart einen Fuß vor meine Haustür setzen, kommt wieder eine Horde Unholde auf Kaffee und Kuchen vorbei – seltsamerweise schaut der Kuchen jedoch aus wie Stein und wird von netten Kuchenschleudern – auch genannt Katapulte – an meine Mauern befördert. Nachdem also auch die zweite Garnitur bei der Abwehr beinahe komplett draufgegangen ist, bequemt sich auf einmal auch das zweite Ork-Lager mal mit einer Armee auf einen Sprung vorbeizuschauen. Das wenige an Streitmacht, das ich noch habe, wird mehr oder weniger sinnlos verheizt, bevor ich den Laden dann endgültig dicht machen darf. So, und wie soll ich da bitteschön mal eines der gegnerischen Lager zerstören, geschweige denn es überhaupt mal zu Gesicht bekommen? Wie sagte Gandalf so schön? „Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfängst, die dir gegeben ist!“ So, und für Schlacht um Mittelerde war mir die dann doch eindeutig zu schade.

Need For Speed: Underground

Wisst ihr, was mir bei Rennspielen so furchtbar auf die Motorhaube geht? Dass diese blöden Teile erst einen auf „Ich bin doch gar nicht so schwer!“ machen und mich dann später irgendwann mit 1000 PS-Karossen über aberwitzige Kurse durch aberwitzige Kurven scheuchen bis ich mich am liebsten mit Bremsschläuchen erhängen möchte. Den Erstkontakt mit dieser netten Wahrheit hatte ich in Need For Speed: Underground, das ab Rennen 90 einen Schwierigkeitsgrad an den Tag legt, der für mich eine Verletzung des Grundgesetzes darstellt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ – Das Spiel demütigt mich aber mit einer Gnadenlosigkeit wie sie jeder drittklassige Diktator aus Südamerika nicht besser hinkriegen würde. Zumal der Anspruch urplötzlich schneller ansteigt als die Tachonadel eines Lamborghini auf 100! Ich muss mir doch nicht 85 Rennen lang das Gefühl geben lassen, dass die KI-Opponenten noch am Überlegen sind, ob das jetzt Gas oder Bremse ist, was sie da grad durchtreten, um dann auf einmal von einer Michael Schumacher-Klonarmee in Grund und Boden gefahren zu werden! Besonders frustrierend für mich: Ein bestimmtes Rennen, das mich fünf lange Runden über einen extrafiesen Kurs kurven lassen wollte, musste ich bestimmt 25 Mal neustarten, weil ich zu langsam war, die Leitplanke geknutscht, eine Kollision gebaut, die Parkscheibe vergessen, den Garagenöffner daheim liegen gelassen… ach, was weiß ich, auf jeden Fall bin ich jedes Mal an irgendwas gescheitert! Und dann, dann hab ich es tatsächlich doch mal geschafft in Führung liegend in die letzte dieser fünf ewigen Runden zu gehen. Kurve um Kurve hab ich abgespult, die Konkurrenz lag knapp zurück, ich habe gekämpft… Nun ja, ich machs kurz: Letzte Kurve, Verbremser, Streckenbegrenzung, großer Schmerz. Gut, dass in dem Moment niemand in meiner Nähe war – er hätte vermutlich eine schwarze Dell-Tastatur an den Kopf gekriegt. Nachdem ich in Erwägung gezogen hatte, wegen grober Menschenrechtsverletzungen die Blauhelme nach Kalifornien zu EA zu bestellen, entschied ich mich dann allerdings doch lieber dafür, Need For Speed in den Underground zu schicken.

Armed Assault

Jeder, der dieses Spiel allen Ernstes ohne Cheats durchgespielt hat, gehört für mich entweder ins nächste Domina-Studio oder sollte ein Denkmal errichtet bekommen. Für mich würde jedenfalls nicht mal ein Blumentopf abfallen, denn nachdem ich schon in der ersten Mission zig Mal die Radieschen von unten beobachten durfte, gingen für mich in der dritten Mission im wahrsten Sinne des Wortes endgültig die Lichter aus.
Es ist Nacht. Ich bin allein. Vor mir ein gut bewachtes Lager. Viele Soldaten. VIELE Soldaten. Als Wehrdienstuntauglicher par excellence versuche ich es einfach mal nach dem lustigen Trial & Error-Prinzip – in dem Falle müsste es aber wohl doch eher Bewege dich & Werde erschossen-Prinzip heißen. Irgendwo hinter dem Berg da stehen zwei Fahrzeuge, deren Materie ich mit Hilfe eines Raketenwerfers extern delokalisieren soll. Nun ja, nur blöd, dass die Chinesen anno Tobak es nicht auf die Reihe gekriegt haben bei der Erfindung des Schwarzpulvers diese blöde Explosion zu vermeiden. Die Folge: Man schießt eine Rakete, die Bewacher fragen sich kurz, ob denn schon Silvester sei und kommen dann doch zu dem Schluss, dass sie ja dann eigentlich besoffen unter den Kasernentischen liegen müssten. Dumm gelaufen für mich, denn die Mannen rücken mir nun mit der Zielgenauigkeit eines Aimbots auf die Pelle. Es gibt einfach kein schöneres Gefühl, als erschossen zu werden und nicht zu wissen, wer, wann, wie und wo seinen rechten Zeigefinger nicht unter Kontrolle hatte! Spätestens, wenn man wie ein verängstigtes Hoppelhäschen durch das tiefe Gras kriecht und der wimmernde Gedanke „Bitte nicht schießen!“ Lebensgrundlage wird, kann irgendwas nicht mehr stimmen. „Früher oder später entdecken die mich eh wieder!“, denke ich mir und versuche die Fieslinge in eine Falle zu locken und auszuschalten. So… Ja… Ähm… Ich denke, ihr wisst wie es ausgegangen ist… Ich geb einen Hinweis: Es hat nicht allzu weh getan. Und die darauf folgende Deinstallation sowieso nicht.

Oase in der österreichischen Service-Wüste

Ein wahre Erfolgserlebnis erfuhr ich heute beim Kauf eines HD-Fernsehers, nachdem ich bereits zuvor in zahlreichen Filialen unterschiedlichen Elektromärkte versucht hatte Rat einzuholen. Kompetente und ehrliche Auskunft erhielt ich von einem HD-Experten in der Starun-Filiale Gerngross, auf der Mariahilferstraße in Wien. Bereits zuvor bin ich durch die Filialen in der Millenium City, SCS, sowie zu Media Markt in Hietzing und Cosmos in Lastaffa gestapft, doch kompetenter Rat? Fehlanzeige.

Es war teilweise ein echtes Trauerspiel, so musste ich etwa erfahren, dass eine ganze Schar von angeblichen „Kaufberatern“ mir keine Auskunft darüber geben konnten, welches Display-Panel (das tatsächliche Display welches sich im Gehäuse des HDTVs verbirgt) sich in den Geräten der Unternehmens-eigenen Marke „Sungoo“ verbirgt. Hallo? Zumindest darüber sollte man seine eigenen – wenn auch teilweise noch sehr jungen – Verkäufer aufklären. Immerhin Einer sollte das doch wissen. Es sind übrigens, wie es auch bei der Firma Teco der Fall ist (was ich von einem höchst engagierten und kompetenten Mitarbeiter erfahren habe), ein älteres Samsung-Panel. Doch wie kann es sein, dass die Unternehmen heutzutage keinen Wert mehr darauf legen das eigene Personal in technischen Belangen richtig zu schulen. Es ist doch nicht etwa wie im Supermarkt, immerhin handelt es sich dabei um Elektrogeschäfte bei denen ich mir den ein oder anderen sinnvollen Rat von einem Verkäufer erwarte. Natürlich muss man deshalb andere Produkte nicht schlecht machen, aber ein bisschen Fachkenntnis und Ehrlichkeit erwarte ich mir da doch.

Gerade beim Spielen mit Videokonsolen wie Playstation 3 oder Xbox 360 würde ich außerdem zuvor gerne einmal Probe spielen, oder zumindest einen DVD-Player anschließen wollen. Doch so etwas ist natürlich nicht möglich. Das Resultat: Man kann sich 1) kein eigenes Bild von den LCD- und Plasma-Geräten machen und bekommt 2) keinen fachgerechten Rat oder irgendeine Form der Hilfestellung. Käufer (und Spieler) sind daher komplett auf sich alleine gestellt und müssen entweder tausende Euro investieren um auf Nummer Sicher zu gehen oder sich durch die Weiten des Internes kämpfen um sich das Wissen selbst anzueignen. Was doch eigentlich die Aufgabe der Verkäufer ist, was die Elektronikgeschäfte allzu oft zu vernachlässigen scheinen. Dass die mangelnde Schulung eine Tatsache ist musste ich allerdings nicht in den letzten Wochen zum ersten Mal feststellen, auch ein Bekannter von mir klagte darüber, dass man die Leute in irgendwelche Abteilungen schicken würde, ohne dass diese auch nur einen Deut mehr Ahnung von der Materie haben als die Kunden selbst.

Soviel zum Thema Service ….

„Crysis“, oder: „Kann ein Hype doch berechtigt sein?“

Hochmut kommt vor dem Fall – davon können vor allem Shooter-Fans ein Liedlein singen, denn kaum ein Genre lebt so sehr von grandios inszenierten Hypes, vorrangig aufgebauscht auf Basis einer ansehlichen Optik. Sei es nun das ewige Beispiel Doom 3 oder neuere Exempel wie Stranglehold: Sie sind grafisch flott, spielerisch enttäuschen sie jedoch aufs Gröbste. Um einen Schritt weiter zu gehen: Eigentlich lässt sich dieses Schema auf einen Großteil der Erscheinungen der letzten Monate und Jahre projizieren. Und jetzt kommt da einfach mal ein deutsches Entwicklerteam namens Crytek daher, baut rund um seinen Zweitling Crysis einen Hype auf wie ihn die Musikindustrie nicht besser hinkriegen würde und schafft vor allem eines – und das ist entscheidend: Nicht zu enttäuschen!

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Welcome to the jungle!
Sie erinnern sich noch an Far Cry? Fiese Söldner bewachen Insel, einsamer Streiter geht dem auf die Spur und bemerkt, dass es noch weit unfreundlichere Wesen als Söldner auf das Eiland verschlagen hat. Tja, so ähnlich grob lässt sich die Story von Crysis auch umreißen – was jedoch nicht heißt, dass sie langweilig und unoriginell wäre. Parallelen drängen sich dennoch auf, denn auch in Crysis kommen Sie zu Beginn völlig ahnungslos auf einer wunderschönen Pazifikinsel an und müssen sich inmitten des Dschungels zurechtfinden. Erster Unterschied: Anstatt eines geschmacklich völlig entgleisten Hawaii-Hemdes wie bei Far Cry-Sprücheklopfer vom Dienst Jack Carver schmiegt sich ein Nano Suit an den Körper des Protagonisten mit dem klangvollen Pseudonym Nomad. Einen besseren Namen hätte man dem Supersoldat der Amis nicht verpassen können – ihn hält es nämlich nicht allzu lange an einem Ort, sondern er infiltriert zusammen mit einem Team aus Nano Suit-Kollegen die Insel, um herauszufinden, warum die Nordkoreaner sich auf einmal mitten im Pazifik breitmachen. Recht schnell wird allerdings klar, dass schlitzäugige Asiaten mit nervösem Finger am Abzug nicht das einzige Problem sind, das potenzielle Urlauber von dem beschaulichen Fleckchen Erde fernhalten könnte, denn ein wahnsinniger General der Koreaner weckt in der Tiefe des Gebirges etwas, das er besser hätte schlafen lassen sollen: Übermächtige Aliens mit einem Faible für Eis haben sich dort nämlich häuslich eingerichtet und übernehmen im Laufe des Spiels die Rolle des Hauptgegners von den Nordkoreanern – wer hier an das Wechselspiel von Söldnern und Mutanten aus Far Cry denken muss, tut das durchaus nicht zu Unrecht. Dass die Eindringlinge vom anderen Stern das Eis nicht nur für lustige Cocktailparties verwenden, sondern damit auch ganze Landstriche einfrieren, macht die ganze Sache nur noch komplizierter. Und so entbrennt ein heftiger Konflikt zwischen coolen Aliens und hitzigen Amis, der mit Spannung und Effektreichtum nicht zu geizen weiß.

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„Woah lääck!“
Effekte? – „Ha, jetzt wird’s richtig interessant, oder?“ – Richtig, wir kommen nämlich zur Grafik: Dass die jedem Optikfetischisten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, wissen wir ja nun schon seit längerem. Aber dennoch: Diese Bildergewalt mit eigenen Augen auf dem eigenen Bildschirm zu sehen, ist nochmal eine ganz eigene Dimension des Staunens. Klar, Shader werden einem hier massenweise um die virtuellen Ohren geklatscht, genauso wie schnieke Explosionen und stimmige Texturen. Tatsächlich sind es aber die Details, die Crysis zu einem echten Festmahl für die Augen werden lassen. Da wäre zum Beispiel ein dezenter Unschärfe- und Verwischeffekt, der auftritt, wenn Sie Ihre Waffe allzu hastig über den Bildschirm bewegen oder per Visier den Feind anpeilen. Zugegeben: Das stiftet zu Beginn des Spiels noch einige Verwirrung und sorgt für Orientierungsschwierigkeiten, zudem sich irgendwie der Verdacht aufdrängt, dass Nomad etwas zu viel vergorene Kokosnüsse genascht haben könnte. Mit der Zeit kommt jedoch dann die Gewöhnung und die Erkenntnis, dass dieser Wischi-Waschi-Effekt einfach nur toll aussieht und den Gefechten eine ungeahnte Dynamik verleiht. Die haben sie jedoch auch so schon zur Genüge, die KI ist nämlich mit allen Gefechtswassern gewaschen und stellt sich ganz im Sinne des Urahnen Far Cry alles andere als blöd an. Zwar kann man sich leider nicht des Eindrucks erwehren, dass die fiesen Schurken im Crytek-Debüt koordinierter und mit mehr Teamwork vorgegangen sind, dennoch fristet auch das eine oder andere helle Köpfchen in den Reihen der koreanischen Armee sein Dasein und macht Nomad das Spec Ops-Leben schwer. Richtig gefährlich wird es in Feuerwechseln jedoch eigentlich nur dann, wenn die schiere Masse der Kontrahenten ihr mäßiges Teamwork wett macht. Dass man sich den Fieslingen von der koreanischen Halbinsel bisweilen dennoch ziemlich überlegen fühlt, ist vor allem dem ominösen Nano Suit zu verdanken, den sich die Supersoldaten aus Übersee überstreifen dürfen. Ausgestattet mit vier verschiedenen Modi verleiht der Anzug dem Träger wahlweise Schnelligkeit, Stärke, Unsichtbarkeit oder Panzerung. Die Sache hat jedoch zwei Haken: Erstens lässt sich immer nur einer der Spezialboni aktivieren und zum zweiten verbraucht der Anzug Energie, welche sich allerdings erfreulicherweise mit der Zeit wieder auflädt. Neben den halbwegs realistischen Waffen und den intelligenten Gegnern bezieht Crysis seinen ansehlichen Taktikgehalt vor allem aus Spielereien mit dem Anzug. Beispiel: Wir wollen einen Gegner möglichst leise ausschalten. Beste Voraussetzung dafür: Der Tarn-Modus, damit das ahnungslose Opfer Nomad nicht erspähen kann. Nachdem wir uns in den Rücken des sich nach wie vor in Sicherheit wiegenden Opfers geschlichen haben, wechseln wir blitzschnell in den Schnelligkeits-Modus und stürmen in Windeseile auf unser Ziel zu, das sich im nächsten Moment völlig überrascht in unserem Würgegriff wiederfindet. Ein letztes Mal schalten wir um – nämlich in den Stärke-Modus, mit dessen Hilfe wir den ergriffenen Soldaten meterweit durch die Luft schleudern. Sie sehen schon: Die Kombinationsmöglichkeiten machen den Reiz aus und schaffen tatsächlich ein erfrischend innovatives und anderes Spielerlebnis wie man es bei vielen Shootern der letzten Zeit ach so schmerzlich vermisst hat.

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Kreativer Suizid
An Physik-Engines in Shootern hat man sich inzwischen gewöhnt wie an das Amen in der Kirche. Dass Crysis es dennoch fertig bringt auch hier zu überraschen, liegt an der Radikalität und Selbstverständlichkeit, mit denen die Naturgesetze ihren Dienst tun. Dass einen da bisweilen vor Staunen der Schlag trifft, haben wir während des Tests mehr als einmal feststellen dürfen; zum Beispiel, als wir einen Helikopter mit gezielten Schüssen aus dem Raketenwerfer Feuer unterm Hintern machen und uns schon als gerettet erwägen, als das Monstrum mit lautem Krachen explodiert. Blöd nur, dass wir am Fuße eines Hügels stehen, der rauchende Rumpf des Hubschraubers weiter oben auf besagtem Hügel aufschlägt, nach unten rutscht und uns gnadenlos platt walzt. Wir folgern: Wenn man selbst nach dem eigenen Tod trotzdem noch glückselig grinsend vorm Monitor sitzt, haben die Entwickler einiges richtig gemacht.
Zudem besonders beeindruckend: Gebäude lassen sich komplett in ihre Einzelteile zerlegen, was vor allem in Gefechten für überraschende Situationen sorgt. Ein Sniper belästigt Sie von seinem Wachturm aus? Kein Problem, eine Granate, in die Nähe des Fundaments des Postens geworfen, zersprengt stilvoll die Streben und der Wachturm kracht spektakulär in sich zusammen. Wenn das mit den Zeugen Jehovas doch nur auch so einfach wäre…
Einfach ist aber auch in Crysis nichts, denn das Spiel befördert Sie quasi einmal quer über die gesamte Insel – Langeweile kommt da mit Sicherheit nicht auf, zumal das Missionsdesign bis auf eine Ausnahme hervorragend gelungen ist und vor Abwechslung nur so strotzt. Panzer fahren, Senkrechtstarter fliegen, mit Jeeps durch die Landschaften brettern – steht alles auf dem Plan. Aber auch per Pedes wird einiges geboten: Von wüsten Guerilla-Gefechten im Dschungel bis zu knallharten Straßengefechten lässt Crysis keinen Wunsch offen, den das zünftige Ballermann-Herz hegen könnte.

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Nicht alles ist Gold…
Ist Crysis also das absolute Über-Spiel, welches weder die Konkurrenz noch die Kritiken fürchten muss? Eigentlich ja, aber völlig perfekt ist auch dieser Titel nicht. Der größte Kritikpunkt offenbart sich am Ende der actiongeladenen Story: Es gibt nämlich keins. Die Handlung bricht quasi mittendrin ab, wir wissen nicht, was aus Nomad wird, wie es auf der Insel weitergeht oder welche finsteren Pläne die Aliens noch so in der Schublade liegen haben. Nähere Details zum Ende des Spiels verraten wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht, das finden Sie dann doch besser selber raus. Fest steht jedoch: Dieser Abschluss schmälert in gewisser Weise auch das gesamte Spielerlebnis. Wofür hat man denn nun 12 Stunden lang mit Nano Suit und Waffengewalt Koreanern und Aliens den Hintern versohlt? Die Antwort folgt dann in Crysis 2? Oder erwarten uns auch aus dem Hause Crytek Episoden wie wir sie von Valve und Half-Life 2 kennen? Wie dem auch sei: Den mitfiebernden Spieler derart ungelenk aus der Geschichte zu reißen, ist ein völlig unnötiger Affront gegen das Spiel als ganzes, das in sich so stimmig und ausgefeilt wirkt und dann am Ende doch noch den Anstrich eines unfertigen Produktes verpasst bekommt. Hätte das wirklich sein müssen?
Und während die Koreaner als Kontrahenten noch makellos bleiben, erlaubt sich Crysis Fehler, sobald die Aliens zum Marsch blasen. Sei es nun, dass die Mission, in deren Verlauf man sich ins Innere der Festung der Außerirdischen begibt und dort herumschwebt (!) wie ein Säugling im Fruchtwasser, zuerst eindrucksvoll, irgendwann aber nur noch nervig ist, oder dass die Invasoren aus dem All, bei deren Design sich das Entwicklerteam anscheinend dankend von den Matrix-Wächtern hat inspirieren lassen, in der Lage sind unseren Anzugheini mit einem Schlag aus der Nähe umzupusten. Wir erinnern uns noch allzu lebhaft an die zahlreichen Beinah-Ausrast-Herzinfarkte, als uns in Far Cry die Mutanten grinsend ins Gesicht sprangen – Crytek anscheinend nicht. Das Leiden geht weiter!
In die Kategorie „Schön, aber nicht konsequent genug“ gehört auch die Tatsache, dass Nomad zwar einen virtuellen Körper besitzt, Waffen wirklich manuell von Feinden einsackt und sich sichtbar schwungvoll über Zäune befördert, Knöpfe und ähnliches jedoch mal wieder von Geisterhand gedrückt werden und Computer sich anscheinend per Gedankenkontrolle bedienen lassen. Hmm…

Fazit:
„Crysis erfülllt selbst die höchsten Erwartungen.“

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen kann, aber Crysis ist tatsächlich mal ein Spiel, das den Hype, der um es veranstaltet wurde, mehr als verdient. Und das will einiges heißen, wenn man bedenkt, dass schon um jedes kleine Bildlein, egal wie belanglos es auch sein mag, ein grandioses Brimbamborium veranstaltet wurde. Crysis selbst kann indes vor allem bei der Grafik aus dem Vollen schöpfen: Was Crytek hier abliefert, lässt selbst den Ärger über die exorbitanten Hardwareanforderungen schwinden, denn optisch ist das Spiel seinen Widersachern – und auch der Ausstattung vieler PCs – meilenweit voraus. Ob nun herrliche Sonnenaufgänge in Landschaften mit sagenhafter Weitsicht oder die einzeln erkennbaren Poren auf der Haut ihrer Feinde – grafisch setzt Crysis definitiv neue Maßstäbe. Dass es keine neuen Maßstäbe setzt, wäre bei der Story hingegen mehr als wünschenswert: An und für sich durchaus unterhaltsam und spannend inszeniert, ist deren Abschluss nämlich ein Rohrkrepierer erster Güte und sorgt für einen bitteren Nachgeschmack nach einem 12 Stunden langen Design-Gourmet. Die Hauptzutat hierfür ist indes der Nano Suit, durch den das Gefühl, ein „cooler“ Supersoldat zu sein, perfekt rüberkommt. In Kombination mit der meistens klugen KI ist Crysis dadurch zudem eine einzige Aneinanderreihung von anspruchsvollen und aufregend inszenierten Gefechten. Dass man sich wie in einem Kinofilm fühlt, liegt nicht an irgendwelchen Skriptsequenzen – das Spiel sorgt durch sich selbst und seine Mechanik dafür. Und genau das ist die große Kunst, die ein Shooter im Jahre 2007 beherrschen muss, um sein Publikum zu begeistern. In sich zu großen Teilen perfekt stimmig, tut sich Crysis lediglich mit der Einführung der Aliens etwas schwer, denen zusätzlich ein marginaler Übermächtigkeits-Nimbus nachhängt. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um DAS Spiel dieses Jahres, um das kein Action-Fan sehenden Auges herumkommt. Absoluter Pflichtkauf!

Konami macht EAs Arbeit, wenn auch nicht ganz

Wie habe ich voll Vorfreude stundenlang vor dem Computer gelungert, ein Video nach dem anderen gesehen und jedem Screenshot des Spiels mehr Aufmerksamkeit geschenkt als dem Nahost-Konflikt. Doch dann ist es soweit, die Demoversion erscheint und irgendwie schafft sie es nicht so ganz mich vom Hocker zu reißen. Da stellte ich mir die Frage: „Was ist da los?“

Angefangen hat meine PES-Karriere mit dem vierten Teil von Konamis Fußballsimulation, ich hatte FIFA bereits seit dem Jahr 2002 satt, doch mit der 03er Auflage kurz meine Prinzipien über Bord geworfen. Mittlerweile gibt es für mich allerdings keinen Weg mehr zurück, denn FIFA 08 ist – die Lizenzen außer Acht gelassen – eine Zumutung für Aug’ und Leibe. Die Entwickler treten auf der Stelle, implementieren mit dem „Be a Pro“ Modus einen Arcade-Modus in ein Spiel, das sich immer weiter der Realität entfernt. Doch die selben Vorwürfe muss man heutzutage schon fast Seabass (dem Vater der Serie) und seinem Team machen. Konami liefert eine erstklassige Präsentation, mit tollen Animationen und 3D-Publikum, doch das kann doch nicht alles sein!? Stimmt, dachten sich die Entwickler. Da pfuschen wir am besten noch in die – bei Spielern so beliebte – Spielmechanik und klauen EAs Trägheit, eigenständiges Handeln und künstliche „Intelligenz“. Das ist ja alles schön und gut, als FIFA-Spieler, doch möchte ich ein Pro Evolution Soccer, kein Produkt für die Masse.

Egal wie viele Lizenzen EA Sports noch bekommt und egal wie viele Original-Spieler, -Stadien und -Wettbewerbe FIFA hat, ich werde bei dem Titel einfach nicht warm. Und jetzt kommt Konami und nimmt PES mit Flummibällen, einem misslungenen Teamvision und einer viel zu hohen Spielgeschwindigkeit den alten Flair fast gänzlich.

Zwar werde ich auch PES 2008 wieder das ganze Jahr über – oder vielleicht auch länger – spielen, doch hoffe ich, dass die Entwickler mit Pro Evolution Soccer 2009 oder 2010 wirklich einen – wie versprochen – neuen Weg einschlagen, nämlich den alten.

The show must go on?

So so, da hat uns die Gerüchteküche heute aber mal wieder ein ganz besonderes Leckerli aufgetischt: Die amerikanische Website digitalbattle.com will über einen Informanten (man könnte manchmal meinen, dass die Stasi in der Spielebranche weiterlebt…) ein Datenblatt zu keinem geringeren Spiel als Battlefield 3 erhalten haben. Die Veröffentlichung des Papierchens war eigentlich für Dezember vorgesehen und auch da nur für Investoren, nichtsdestotrotz geistern die Fakten bereits jetzt schon durchs Internet wie Hui Buh durch Schloss Burgeck. EA beließ die Anfrage, ob an den Infos was dran ist, mit einem herrlich vielsagenden „no comment“, DICE hüllt sich noch in den eisigen schwedischen Nebel des Schweigens. Demnach sind die aufgeführten Features noch mit einem gewissen Maß an Vorsicht zu genießen, auch wenn sie keineswegs unrealistisch erscheinen – was ich persönlich furchtbar finde… Denn mal ganz ehrlich: Nee, das kanns ja wohl wirklich nicht sein… Bevor wir mal einen näheren Blick auf die Informationen werfen, möchte ich Ihnen jedoch noch einmal folgendes Zitat von John Riccitiello, ganz nebenbei EA-Geschäftsführer, welches dieser Anfang Juli mit kritischem Blick auf die Zukunft der Spielebranche äußerte, in den Sinn rufen: „Schlimmstenfalls sind wir am Ende an einem Punkt, wo wir nur noch das machen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. Wir müssen uns aber selber neu erfinden.“ (Quelle der Übersetzung: gamestar.de)

So, und unter den Fittichen dieses Mannes entsteht nun angeblich ein Battlefield 3 mit folgenden Features, wie sie digitalbattle.com zusammengefasst hat:

- Release in late 2008
- Powered by “Frostbite DX”
- Set in year modern day (just like BF2, ed.)
- Will ship with 8 maps, each supporting up to 40-players per team
- Two playable factions, NATO and MEC (Middle Eastern Coalition)
- Same “ticket-based” gameplay style as before
- Maps are mostly urban, based in Middle East
- Squads and Commanders are present, introduced are “Battalions” which consist of three to four squads.
- Five playable classes; Sniper, Assault, Engineer, Medic and Support
- Will feature 48 different vehicles (24 for each faction)
- Will feature 34 different weapons (17 for each faction) and another 22 unlocks (for both factions), in total 56 different weapons.
- Other unlocks include different types of ammunition, body armor, helmets, camouflage and accessories.
- Possible public beta in “Summer 2008″
- Online stats tracking, awards and “real world ranks”
- “Soldier” feature, looks like MMO-styled characters and avatars
- Ranked servers will be available for resellers weeks before the game ships (for testing, apparently, ed.)
- In-game replay and recording feature
- VoIP, friends list, in-game IM-client and “extensive clan support”
- Built-in auto software updater (no more patches!, ed.)
- Windows Vista and OS X (no XP?!, ed.)
- Announcement and teaser trailer in January 2008.

Hmm… Hmm… Da darf man die Stirn schon etwas in Falten legen, oder? Gehen wir mal die wesentlichen Punkte durch: „Powered by „Frostbite DX““. Dabei scheint es sich wohl um eine für den PC umgemodelte Version der Frostbite-Engine zu handeln, die bereits im Konsolenableger „Battlefield: Bad Company“ für ansehliche Action sorgte. Dann geht’s aber auch schon los mit den Rohrkrepierern: „Set in year modern day“, „Two playable factions, NATO and MEC“, „Maps are mostly urban, based in Middle East“. Klingt gut, klingt spannend, aber hatten wir das nicht irgendwann schon mal? Ah, richtig, in Battlefield 2! Schade, dass bei EA anscheinend niemand die eigene Spielehistorie kennt… Nein, mal im Ernst: Warum bitteschön landet das Battlefield-Universum schon wieder in der Moderne, und dann auch noch wieder im Nahen Osten? Das Zukunftsszenario von Battlefield 2142 war Grütze, da bin ich wohl nicht der einzige, der das so sieht. Aber muss das denn auch gleich heißen, dass man quasi das Remake eines zwei Jahren altes Spieles anpeilt? Der Eindruck drängt sich nämlich ebenso auf, wenn das lesende Auge auf Punkte wie „Will ship with 8 maps, each supporting up to 40-players per team“ und „same „ticket-based“ gameplay as before“ treffen muss. 40 Spieler pro Team? Huhu, EA! Wir leben im Jahr 2007! Viele Spieler wünschen sich mal richtige Schlachten in einem Battlefield-Titel, so wie sie ein Joint Operations mit beinahe doppelter Spielerzahl schon vor drei Jahren frei Haus lieferte! Große Innovationen (Vorsicht, Ironie!) scheint man wenigstens bei den Klassen anzupeilen: Den Spec-Ops gibt’s nicht mehr, das „imba!“-Geunke muss den EA-Leuten dann wohl doch auf den Keks gegangen sein. Der Balance des Spiels dürfte es sicherlich nicht schaden, die restlichen Klassen werden jedoch scheinbar beibehalten – und die waren in BF2 auch nicht immer perfekt ausbalanciert. Interessant klingen die „Battalions“, die aus drei bis vier Squads bestehen sollen. Wie das dann praktisch auf dem Schlachtfeld funktionieren soll, ist wieder eine andere Frage. Die Kommunikation zwischen Commander und Squad-Leader war bereits in BF2 eine alles andere als einfache Geschichte und wie das besser werden soll, wenn man noch eine Instanz dazwischen schaltet, ist nun doch sehr zweifelhaft. Hält am Ende noch der Bürokratiestau Einzug auf dem Schlachtfeld? Dürfen wir uns auf Szenen freuen, wie wir sie sonst nur aus kommunikationsgestörten deutschen Ämtern kennen? Müssen am Ende alle zur Familientherapie? Auch wenn Battlefield gerne mal Genre-Maßstäbe setzte, scheint es vor Trendeinflüssen nicht gefeit zu sein: Spieler dürfen anscheinend ihre Soldaten modden, tunen, pimpen – oder wie auch immer man dazu sagen will. Jedenfalls scheint das Ranking-System nun auch ordentlich was auf die Augen zu geben, denn es lässt sich allerlei Kram freischalten, mit dem Sie Ihrem Streiter wie einen Christbaum behängen dürfen. Erscheinen soll Battlefield 3 – obwohl es im Moment eher nach Battlefield 2.6 aussieht – Ende 2008, die Ankündigung soll Anfang des Jahres folgen. Bleibt abzuwarten, was von der Featureliste sich bewahrheitet und was nicht – ich hoffe instinktiv, dass letzteres vermehrt der Fall sein wird…

Das hat weder Hand noch Fuß…

Was haben der Doom-Marine, Gordon Freeman und Jack aus BioShock gemeinsam? Ja klar, sie schießen auf alles, was sich bewegt, aber da ist noch etwas, das die drei netten Herren verbindet: Sie hätten alle Anspruch auf einen Behindertenausweis! Ein Schlag unter die Gürtellinie, sagen Sie? Tja, nur blöd, dass es bei den erwähnten Heroen unterhalb der Gürtellinie nichts mehr gibt! Ob das jetzt daran liegt, dass die Ballermänner bereits in diversen Weltkriegen gedient und Beine verloren haben oder schlicht und ergreifend daran, dass die Entwickler vergessen haben, dass ihre Protagonisten vielleicht auch mal den Boden der Tatsachen erreichen sollten, sei mal dahingestellt. Fest steht jedoch: Egal ob id Software, Valve oder Irrational – sie alle lassen sich die Illusion der Ego-Perspektive zerstören, sobald man mal auf das wesentliche – nämlich nach unten – blickt. Keine Beine, keine Füße, keine Gürtel, kein gar nichts! Was bleibt, ist das Gefühl, eine Kamera zu steuern, der man mit Uhu-Kleber eine Armprothese mitsamt Waffe vor die Nase gepappt hat. Zugegeben: Schrittgeräusche wollen wenigstens unsere Ohren glauben machen, dass sich da unten tatsächlich was tut und toll wackeln kann die laufende Tötungskamera ja auch – aber das Gefühl wirklich im Körper eines Helden zu stecken kommt so nicht wirklich auf. Vielmehr erscheint die Spielfigur als Fremdkörper in der Spielwelt, als etwas, das da eigentlich gar nicht hingehört. Da werden ganze Teams dafür angestellt, damit jede Spielfigur sich im fertigen Spiel dank Motion-Capturing detail- und naturgetreu animiert am Hintern kratzen kann – aber sobald es darum geht, dass der Ego-Held ein Medi-Pak aufnimmt, scheinen selbst in bierernsten Spielen wie Call of Duty die Kräfte der Telepathie zu wirken. Ein Tastendruck und – schwupps – wandert der Gegenstand wie von Geisterhand ins Inventar. Sind die Knarren alle in Leim getaucht worden oder warum tun sich viele Shooter-Helden so schwer damit mal die Hand von ihren geliebten Freunden zu lassen?

 

Wie mans besser machen könnte, zeigt Dark Messiah Of Might & Magic: Der Held hat einen Körper – und was für einen! Die Klingen gleiten durch seine Finger wie Butter und wenn die Sprint-Fähigkeit zum Einsatz kommt, wird nicht einfach die Bewegungsgeschwindigkeit der „Kill-Cam“ verdoppelt, sondern man bekommt einen Sareth zu sehen, der mit vollem Körpereinsatz gen Ziel hechtet. Es ist zugegebenermaßen ein recht simples Mittel, aber dennoch verstärkt es die Identifikation mit der Spielfigur ungemein, wenn man sich mal in Ruhe in der Landschaft umsieht und plötzlich auf so etwas völlig Unerwartetes wie Beine und Füße stößt. Dem Anschein nach ist es jedoch schon ein zu simples Mittel, denn positive Beispiele wie Dark Messiah Of Might & Magic lassen sich an einer Hand abzählen. Den letzten Schritt wagt allerdings auch der dunkle Messias nicht: Gegenstände werden hier nämlich von einer Art unsichtbarem Staubsauger eingesaugt und landen im Inventar – das wirkt selbst beim fünfzigsten Mal noch gnadenlos lächerlich. Was auch hier wieder fehlt, ist das letzte Quäntchen Interaktivität mit der Spielwelt, das in dem ganzen Technikwahn anscheinend bei den Entwicklerstudios mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

 

Wir werden uns diesem Thema auch weiterhin widmen, Beispiele gibt es dafür – leider – und Anregungen – zum Glück – reichlich. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Bei welchen Spielen hätten Sie sich mehr Interaktivität gewünscht? Welche Spiele haben das Ihrer Meinung nach gut gelöst? Wir freuen uns auf ihre Kommentare und Zuschriften!

Benutzerfeindliche Firmenphilosophien – Sony und Nvidia machen’s vor

So scheint Anbeginn der Zeit haben Unternehmen es sich zur Aufgabe gemacht Mitarbeiter und Kunden zu verärgern. Erstere werden dabei mit unzähligen, geheimen Informationen behaftet die sich nicht ausplaudern dürfen, was meistens selbstverständlich fehlschlägt. Immerhin handelt es sich auch dabei nur um Menschen und wie würde die Welt nur aussehen, wenn es sie nicht gäbe. Sogenannte „Maulwürfe“ sind auch für die Spielbranche unerlässlich, denn wie sonst sollen Verbraucher sich vor den fiesen Firmenstrategien von Konzernen wie Sony oder Nvidia – die beiden jüngsten Beispiele – schützen?

Nun fragen Sie sich sicher warum mich soviel Unmut plagt.

Sony: Seit einigen Wochen kursieren im Internet – Dank der Firmenspitzel – Gerüchte rund um eine neue, günstigere Version der Playstation 3. Nicht auf Grund der Firmenphilosophie, sondern wegen der Bösartigkeit gegenüber Endanwendern entscheidet sich Sony zu behaupten, dass es dieses Jahr keine Preissenkung der 600 Euro teuren Playstation 3 mehr geben wird. Kurz darauf liefert man das Gerät mit zwei Spielen aus, teilweise verschenkt man sogar kostenlose Blu-ray Discs.

Einige Tage später scheint die Bösartigkeit des Unternehmens überwunden, Sony sträubt sich dagegen zu den weit verbreiteten Gerüchten Stellung zu nehmen, widerruft vorherige Aussagen allerdings nicht. Mehrere tausend Benutzer begaben sich in der Zwischenzeit in den Handel um das 600 Euro teure Multimedia-Wunder zu erstehen, nicht ahnend was Sony tatsächlich vorhat.

Und nun sieht es so aus: Sony kündigte zwei Versionen der Playstation 3 für den europäischen Markt an. Künftig wird es eine abgespeckte 399 Euro Version der Playstation 3 geben, der Preis des sogenannten Start Packs sinkt auf 499 Euro, außerdem erhalten Spieler zusätzlich einen weiteren Controller und die beiden standardmäßigen Spiele.

Nvidia: Fast noch übler verhält sich der Entwickler von Grafikkarten in den letzten Wochen und Tagen gegenüber seiner Käuferschaft. Geschäfte bieten nach wie vor das alte Modell Geforce 8800 GTS Modell mit 320 Megabyte Grafikspeicher an. Doch ein chinesisches Vögelchen hat dem Internet nun gezwitschert, dass es sich dabei um ein veraltetes Auslaufmodell handelt und trotzdem liegt der Preis nach wie vor bei fast 300 Euro. Eine Frechheit wenn man bedenkt, dass der Nachfolger mit 256 Megabyte um 200 Euro in die Läden kommen soll, doppelt soviel Speicher wird es für nur 50 Euro Aufpreis geben. Außerdem soll der überarbeitete Chip mit 16 Stream Prozessoren mehr zurecht kommen.

Nun frage ich Sie als Verbraucher: Ist das fair?