Zerschrottete Tastaturen, vernichtete Gamepads, zerbissene Tischkanten – wer kennt sie nicht, diese Wutausbrüche und Hassattacken, wenn das Spiel der Wahl mal wieder Unmögliches von einem verlangt? Halte Unhorden von Feinden, die dir zahlenmäßig um ein Dreifaches überlegen sind, eine halbe Stunde auf, bevor sie dir den Hintern auf Grundeis setzen! Fahre zehn Minuten lang fehlerfreier als jeder Formel 1-Fahrer, ohne auch nur einmal daran zu denken die Leitplanke zu schrammeln! Infiltriere nachts bei herrlichen Sichtverhältnissen (ha ha!) auf dich allein gestellt ein Feindeslager, das von Soldaten bewacht wird, die auf 500 Meter Entfernung sofort bemerken, wenn du dich am Hintern kratzt und dir daraufhin sofort was zwischen die Augen geben! Jahaaa, da kommt Freude auf, nicht wahr?!
Aber gerade solche Spiele, die einen vor vermeintlich unlösbare Herausforderungen stellen, sind es, die einem immer als besondere Erlebnisse im Zockerleben in Erinnerung bleiben. „Mensch, weißt du noch, damals in Armed Assault…“ Ich fröne der negativen Nostalgie mal ganz unverblümt und zähle im Folgenden die ersten 3 von 12 Spielen insgesamt auf, die bei mir für Frust, Schweiß und Stirn-Tisch-Combos gesorgt haben. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle, jedes Spiel war eine Leidensgeschichte für sich. Wolle mer se reinlasse?
Schlacht um Mittelerde
Ach ja, was hat mich dieses Spiel innerlich bluten lassen… Gefreut hab ich mich da wie ein Schnitzel drauf, weil die Trailer mir den Glauben geschenkt hatten, dass es sich bei Schlacht um Mittelerde um ein eingängiges Rome in Mittelerde handelt, bei dem ich authentisch und mit tausenden Soldaten unter meiner Fuchtel die berühmten Schlachten der Trilogie nachspielen kann. Essig wars, stattdessen kommandiere ich kleine Häufchen Einheiten im WarCraft 3-Stil durch eine Kampagne, die eigentlich nur aus Skirmish-Missionen besteht. Wenn man wenigstens Nacktbilder von Legolas oder Arwen freispielen könnte, aber nein! Halten wir also mal die Voraussetzungen fest, die vor dem Casus Cnaxus herrschen: Die Begeisterung ist in etwa so hoch wie der Elan eines Ents, und die Freude ist in etwa so groß wie die der Orks, die sich massenweise von Aragorn und seiner Messercrew umnieten lassen dürfen. Also, ich würd da ja Depressionen kriegen… Egal, die hab ich dann sowieso gekriegt, als ich in einer dieser unsäglichen „Bau ein Lager und mach alles platt, was kein Pferd unterm Hintern hat“-Missionen der Rohirrim mein eigenes bescheidenes Quartier gegen die Anstürme zweier Ork-Festungen verteidigen sollte. Genialerweise sollte ich diese beiden Horte des Bösen aber auch noch dem Erdboden gleich machen. Kaum hab ich mal eine kleine Armee aufgestellt, um mich mal vorsichtig aus meiner Festung zu wagen, rücken auch schon die Orkse an und geben mir ordentlich eins auf die Löffel. Meine beschauliche Truppe geht dabei in geschlossenen Reihen über den Anduìn. „Na gut, was solls, bau ich halt noch eine Streitmacht…“ Tolle Idee, nur kaum hab ich die umgesetzt und möchte mal wieder ganz zart einen Fuß vor meine Haustür setzen, kommt wieder eine Horde Unholde auf Kaffee und Kuchen vorbei – seltsamerweise schaut der Kuchen jedoch aus wie Stein und wird von netten Kuchenschleudern – auch genannt Katapulte – an meine Mauern befördert. Nachdem also auch die zweite Garnitur bei der Abwehr beinahe komplett draufgegangen ist, bequemt sich auf einmal auch das zweite Ork-Lager mal mit einer Armee auf einen Sprung vorbeizuschauen. Das wenige an Streitmacht, das ich noch habe, wird mehr oder weniger sinnlos verheizt, bevor ich den Laden dann endgültig dicht machen darf. So, und wie soll ich da bitteschön mal eines der gegnerischen Lager zerstören, geschweige denn es überhaupt mal zu Gesicht bekommen? Wie sagte Gandalf so schön? „Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfängst, die dir gegeben ist!“ So, und für Schlacht um Mittelerde war mir die dann doch eindeutig zu schade.
Need For Speed: Underground
Wisst ihr, was mir bei Rennspielen so furchtbar auf die Motorhaube geht? Dass diese blöden Teile erst einen auf „Ich bin doch gar nicht so schwer!“ machen und mich dann später irgendwann mit 1000 PS-Karossen über aberwitzige Kurse durch aberwitzige Kurven scheuchen bis ich mich am liebsten mit Bremsschläuchen erhängen möchte. Den Erstkontakt mit dieser netten Wahrheit hatte ich in Need For Speed: Underground, das ab Rennen 90 einen Schwierigkeitsgrad an den Tag legt, der für mich eine Verletzung des Grundgesetzes darstellt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ - Das Spiel demütigt mich aber mit einer Gnadenlosigkeit wie sie jeder drittklassige Diktator aus Südamerika nicht besser hinkriegen würde. Zumal der Anspruch urplötzlich schneller ansteigt als die Tachonadel eines Lamborghini auf 100! Ich muss mir doch nicht 85 Rennen lang das Gefühl geben lassen, dass die KI-Opponenten noch am Überlegen sind, ob das jetzt Gas oder Bremse ist, was sie da grad durchtreten, um dann auf einmal von einer Michael Schumacher-Klonarmee in Grund und Boden gefahren zu werden! Besonders frustrierend für mich: Ein bestimmtes Rennen, das mich fünf lange Runden über einen extrafiesen Kurs kurven lassen wollte, musste ich bestimmt 25 Mal neustarten, weil ich zu langsam war, die Leitplanke geknutscht, eine Kollision gebaut, die Parkscheibe vergessen, den Garagenöffner daheim liegen gelassen… ach, was weiß ich, auf jeden Fall bin ich jedes Mal an irgendwas gescheitert! Und dann, dann hab ich es tatsächlich doch mal geschafft in Führung liegend in die letzte dieser fünf ewigen Runden zu gehen. Kurve um Kurve hab ich abgespult, die Konkurrenz lag knapp zurück, ich habe gekämpft… Nun ja, ich machs kurz: Letzte Kurve, Verbremser, Streckenbegrenzung, großer Schmerz. Gut, dass in dem Moment niemand in meiner Nähe war – er hätte vermutlich eine schwarze Dell-Tastatur an den Kopf gekriegt. Nachdem ich in Erwägung gezogen hatte, wegen grober Menschenrechtsverletzungen die Blauhelme nach Kalifornien zu EA zu bestellen, entschied ich mich dann allerdings doch lieber dafür, Need For Speed in den Underground zu schicken.
Armed Assault
Jeder, der dieses Spiel allen Ernstes ohne Cheats durchgespielt hat, gehört für mich entweder ins nächste Domina-Studio oder sollte ein Denkmal errichtet bekommen. Für mich würde jedenfalls nicht mal ein Blumentopf abfallen, denn nachdem ich schon in der ersten Mission zig Mal die Radieschen von unten beobachten durfte, gingen für mich in der dritten Mission im wahrsten Sinne des Wortes endgültig die Lichter aus.
Es ist Nacht. Ich bin allein. Vor mir ein gut bewachtes Lager. Viele Soldaten. VIELE Soldaten. Als Wehrdienstuntauglicher par excellence versuche ich es einfach mal nach dem lustigen Trial & Error-Prinzip - in dem Falle müsste es aber wohl doch eher Bewege dich & Werde erschossen-Prinzip heißen. Irgendwo hinter dem Berg da stehen zwei Fahrzeuge, deren Materie ich mit Hilfe eines Raketenwerfers extern delokalisieren soll. Nun ja, nur blöd, dass die Chinesen anno Tobak es nicht auf die Reihe gekriegt haben bei der Erfindung des Schwarzpulvers diese blöde Explosion zu vermeiden. Die Folge: Man schießt eine Rakete, die Bewacher fragen sich kurz, ob denn schon Silvester sei und kommen dann doch zu dem Schluss, dass sie ja dann eigentlich besoffen unter den Kasernentischen liegen müssten. Dumm gelaufen für mich, denn die Mannen rücken mir nun mit der Zielgenauigkeit eines Aimbots auf die Pelle. Es gibt einfach kein schöneres Gefühl, als erschossen zu werden und nicht zu wissen, wer, wann, wie und wo seinen rechten Zeigefinger nicht unter Kontrolle hatte! Spätestens, wenn man wie ein verängstigtes Hoppelhäschen durch das tiefe Gras kriecht und der wimmernde Gedanke „Bitte nicht schießen!“ Lebensgrundlage wird, kann irgendwas nicht mehr stimmen. „Früher oder später entdecken die mich eh wieder!“, denke ich mir und versuche die Fieslinge in eine Falle zu locken und auszuschalten. So… Ja… Ähm… Ich denke, ihr wisst wie es ausgegangen ist… Ich geb einen Hinweis: Es hat nicht allzu weh getan. Und die darauf folgende Deinstallation sowieso nicht.



