Archiv für Oktober 2007

The show must go on?

So so, da hat uns die Gerüchteküche heute aber mal wieder ein ganz besonderes Leckerli aufgetischt: Die amerikanische Website digitalbattle.com will über einen Informanten (man könnte manchmal meinen, dass die Stasi in der Spielebranche weiterlebt…) ein Datenblatt zu keinem geringeren Spiel als Battlefield 3 erhalten haben. Die Veröffentlichung des Papierchens war eigentlich für Dezember vorgesehen und auch da nur für Investoren, nichtsdestotrotz geistern die Fakten bereits jetzt schon durchs Internet wie Hui Buh durch Schloss Burgeck. EA beließ die Anfrage, ob an den Infos was dran ist, mit einem herrlich vielsagenden „no comment“, DICE hüllt sich noch in den eisigen schwedischen Nebel des Schweigens. Demnach sind die aufgeführten Features noch mit einem gewissen Maß an Vorsicht zu genießen, auch wenn sie keineswegs unrealistisch erscheinen – was ich persönlich furchtbar finde… Denn mal ganz ehrlich: Nee, das kanns ja wohl wirklich nicht sein… Bevor wir mal einen näheren Blick auf die Informationen werfen, möchte ich Ihnen jedoch noch einmal folgendes Zitat von John Riccitiello, ganz nebenbei EA-Geschäftsführer, welches dieser Anfang Juli mit kritischem Blick auf die Zukunft der Spielebranche äußerte, in den Sinn rufen: „Schlimmstenfalls sind wir am Ende an einem Punkt, wo wir nur noch das machen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. Wir müssen uns aber selber neu erfinden.“ (Quelle der Übersetzung: gamestar.de)

So, und unter den Fittichen dieses Mannes entsteht nun angeblich ein Battlefield 3 mit folgenden Features, wie sie digitalbattle.com zusammengefasst hat:

- Release in late 2008
- Powered by “Frostbite DX”
- Set in year modern day (just like BF2, ed.)
- Will ship with 8 maps, each supporting up to 40-players per team
- Two playable factions, NATO and MEC (Middle Eastern Coalition)
- Same “ticket-based” gameplay style as before
- Maps are mostly urban, based in Middle East
- Squads and Commanders are present, introduced are “Battalions” which consist of three to four squads.
- Five playable classes; Sniper, Assault, Engineer, Medic and Support
- Will feature 48 different vehicles (24 for each faction)
- Will feature 34 different weapons (17 for each faction) and another 22 unlocks (for both factions), in total 56 different weapons.
- Other unlocks include different types of ammunition, body armor, helmets, camouflage and accessories.
- Possible public beta in “Summer 2008″
- Online stats tracking, awards and “real world ranks”
- “Soldier” feature, looks like MMO-styled characters and avatars
- Ranked servers will be available for resellers weeks before the game ships (for testing, apparently, ed.)
- In-game replay and recording feature
- VoIP, friends list, in-game IM-client and “extensive clan support”
- Built-in auto software updater (no more patches!, ed.)
- Windows Vista and OS X (no XP?!, ed.)
- Announcement and teaser trailer in January 2008.

Hmm… Hmm… Da darf man die Stirn schon etwas in Falten legen, oder? Gehen wir mal die wesentlichen Punkte durch: „Powered by „Frostbite DX““. Dabei scheint es sich wohl um eine für den PC umgemodelte Version der Frostbite-Engine zu handeln, die bereits im Konsolenableger „Battlefield: Bad Company“ für ansehliche Action sorgte. Dann geht’s aber auch schon los mit den Rohrkrepierern: „Set in year modern day“, „Two playable factions, NATO and MEC“, „Maps are mostly urban, based in Middle East“. Klingt gut, klingt spannend, aber hatten wir das nicht irgendwann schon mal? Ah, richtig, in Battlefield 2! Schade, dass bei EA anscheinend niemand die eigene Spielehistorie kennt… Nein, mal im Ernst: Warum bitteschön landet das Battlefield-Universum schon wieder in der Moderne, und dann auch noch wieder im Nahen Osten? Das Zukunftsszenario von Battlefield 2142 war Grütze, da bin ich wohl nicht der einzige, der das so sieht. Aber muss das denn auch gleich heißen, dass man quasi das Remake eines zwei Jahren altes Spieles anpeilt? Der Eindruck drängt sich nämlich ebenso auf, wenn das lesende Auge auf Punkte wie „Will ship with 8 maps, each supporting up to 40-players per team“ und „same „ticket-based“ gameplay as before“ treffen muss. 40 Spieler pro Team? Huhu, EA! Wir leben im Jahr 2007! Viele Spieler wünschen sich mal richtige Schlachten in einem Battlefield-Titel, so wie sie ein Joint Operations mit beinahe doppelter Spielerzahl schon vor drei Jahren frei Haus lieferte! Große Innovationen (Vorsicht, Ironie!) scheint man wenigstens bei den Klassen anzupeilen: Den Spec-Ops gibt’s nicht mehr, das „imba!“-Geunke muss den EA-Leuten dann wohl doch auf den Keks gegangen sein. Der Balance des Spiels dürfte es sicherlich nicht schaden, die restlichen Klassen werden jedoch scheinbar beibehalten – und die waren in BF2 auch nicht immer perfekt ausbalanciert. Interessant klingen die „Battalions“, die aus drei bis vier Squads bestehen sollen. Wie das dann praktisch auf dem Schlachtfeld funktionieren soll, ist wieder eine andere Frage. Die Kommunikation zwischen Commander und Squad-Leader war bereits in BF2 eine alles andere als einfache Geschichte und wie das besser werden soll, wenn man noch eine Instanz dazwischen schaltet, ist nun doch sehr zweifelhaft. Hält am Ende noch der Bürokratiestau Einzug auf dem Schlachtfeld? Dürfen wir uns auf Szenen freuen, wie wir sie sonst nur aus kommunikationsgestörten deutschen Ämtern kennen? Müssen am Ende alle zur Familientherapie? Auch wenn Battlefield gerne mal Genre-Maßstäbe setzte, scheint es vor Trendeinflüssen nicht gefeit zu sein: Spieler dürfen anscheinend ihre Soldaten modden, tunen, pimpen – oder wie auch immer man dazu sagen will. Jedenfalls scheint das Ranking-System nun auch ordentlich was auf die Augen zu geben, denn es lässt sich allerlei Kram freischalten, mit dem Sie Ihrem Streiter wie einen Christbaum behängen dürfen. Erscheinen soll Battlefield 3 – obwohl es im Moment eher nach Battlefield 2.6 aussieht – Ende 2008, die Ankündigung soll Anfang des Jahres folgen. Bleibt abzuwarten, was von der Featureliste sich bewahrheitet und was nicht – ich hoffe instinktiv, dass letzteres vermehrt der Fall sein wird…

Das hat weder Hand noch Fuß…

Was haben der Doom-Marine, Gordon Freeman und Jack aus BioShock gemeinsam? Ja klar, sie schießen auf alles, was sich bewegt, aber da ist noch etwas, das die drei netten Herren verbindet: Sie hätten alle Anspruch auf einen Behindertenausweis! Ein Schlag unter die Gürtellinie, sagen Sie? Tja, nur blöd, dass es bei den erwähnten Heroen unterhalb der Gürtellinie nichts mehr gibt! Ob das jetzt daran liegt, dass die Ballermänner bereits in diversen Weltkriegen gedient und Beine verloren haben oder schlicht und ergreifend daran, dass die Entwickler vergessen haben, dass ihre Protagonisten vielleicht auch mal den Boden der Tatsachen erreichen sollten, sei mal dahingestellt. Fest steht jedoch: Egal ob id Software, Valve oder Irrational – sie alle lassen sich die Illusion der Ego-Perspektive zerstören, sobald man mal auf das wesentliche – nämlich nach unten – blickt. Keine Beine, keine Füße, keine Gürtel, kein gar nichts! Was bleibt, ist das Gefühl, eine Kamera zu steuern, der man mit Uhu-Kleber eine Armprothese mitsamt Waffe vor die Nase gepappt hat. Zugegeben: Schrittgeräusche wollen wenigstens unsere Ohren glauben machen, dass sich da unten tatsächlich was tut und toll wackeln kann die laufende Tötungskamera ja auch – aber das Gefühl wirklich im Körper eines Helden zu stecken kommt so nicht wirklich auf. Vielmehr erscheint die Spielfigur als Fremdkörper in der Spielwelt, als etwas, das da eigentlich gar nicht hingehört. Da werden ganze Teams dafür angestellt, damit jede Spielfigur sich im fertigen Spiel dank Motion-Capturing detail- und naturgetreu animiert am Hintern kratzen kann – aber sobald es darum geht, dass der Ego-Held ein Medi-Pak aufnimmt, scheinen selbst in bierernsten Spielen wie Call of Duty die Kräfte der Telepathie zu wirken. Ein Tastendruck und – schwupps – wandert der Gegenstand wie von Geisterhand ins Inventar. Sind die Knarren alle in Leim getaucht worden oder warum tun sich viele Shooter-Helden so schwer damit mal die Hand von ihren geliebten Freunden zu lassen?

 

Wie mans besser machen könnte, zeigt Dark Messiah Of Might & Magic: Der Held hat einen Körper – und was für einen! Die Klingen gleiten durch seine Finger wie Butter und wenn die Sprint-Fähigkeit zum Einsatz kommt, wird nicht einfach die Bewegungsgeschwindigkeit der „Kill-Cam“ verdoppelt, sondern man bekommt einen Sareth zu sehen, der mit vollem Körpereinsatz gen Ziel hechtet. Es ist zugegebenermaßen ein recht simples Mittel, aber dennoch verstärkt es die Identifikation mit der Spielfigur ungemein, wenn man sich mal in Ruhe in der Landschaft umsieht und plötzlich auf so etwas völlig Unerwartetes wie Beine und Füße stößt. Dem Anschein nach ist es jedoch schon ein zu simples Mittel, denn positive Beispiele wie Dark Messiah Of Might & Magic lassen sich an einer Hand abzählen. Den letzten Schritt wagt allerdings auch der dunkle Messias nicht: Gegenstände werden hier nämlich von einer Art unsichtbarem Staubsauger eingesaugt und landen im Inventar – das wirkt selbst beim fünfzigsten Mal noch gnadenlos lächerlich. Was auch hier wieder fehlt, ist das letzte Quäntchen Interaktivität mit der Spielwelt, das in dem ganzen Technikwahn anscheinend bei den Entwicklerstudios mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

 

Wir werden uns diesem Thema auch weiterhin widmen, Beispiele gibt es dafür – leider – und Anregungen – zum Glück – reichlich. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Bei welchen Spielen hätten Sie sich mehr Interaktivität gewünscht? Welche Spiele haben das Ihrer Meinung nach gut gelöst? Wir freuen uns auf ihre Kommentare und Zuschriften!

Benutzerfeindliche Firmenphilosophien – Sony und Nvidia machen’s vor

So scheint Anbeginn der Zeit haben Unternehmen es sich zur Aufgabe gemacht Mitarbeiter und Kunden zu verärgern. Erstere werden dabei mit unzähligen, geheimen Informationen behaftet die sich nicht ausplaudern dürfen, was meistens selbstverständlich fehlschlägt. Immerhin handelt es sich auch dabei nur um Menschen und wie würde die Welt nur aussehen, wenn es sie nicht gäbe. Sogenannte „Maulwürfe“ sind auch für die Spielbranche unerlässlich, denn wie sonst sollen Verbraucher sich vor den fiesen Firmenstrategien von Konzernen wie Sony oder Nvidia – die beiden jüngsten Beispiele – schützen?

Nun fragen Sie sich sicher warum mich soviel Unmut plagt.

Sony: Seit einigen Wochen kursieren im Internet – Dank der Firmenspitzel – Gerüchte rund um eine neue, günstigere Version der Playstation 3. Nicht auf Grund der Firmenphilosophie, sondern wegen der Bösartigkeit gegenüber Endanwendern entscheidet sich Sony zu behaupten, dass es dieses Jahr keine Preissenkung der 600 Euro teuren Playstation 3 mehr geben wird. Kurz darauf liefert man das Gerät mit zwei Spielen aus, teilweise verschenkt man sogar kostenlose Blu-ray Discs.

Einige Tage später scheint die Bösartigkeit des Unternehmens überwunden, Sony sträubt sich dagegen zu den weit verbreiteten Gerüchten Stellung zu nehmen, widerruft vorherige Aussagen allerdings nicht. Mehrere tausend Benutzer begaben sich in der Zwischenzeit in den Handel um das 600 Euro teure Multimedia-Wunder zu erstehen, nicht ahnend was Sony tatsächlich vorhat.

Und nun sieht es so aus: Sony kündigte zwei Versionen der Playstation 3 für den europäischen Markt an. Künftig wird es eine abgespeckte 399 Euro Version der Playstation 3 geben, der Preis des sogenannten Start Packs sinkt auf 499 Euro, außerdem erhalten Spieler zusätzlich einen weiteren Controller und die beiden standardmäßigen Spiele.

Nvidia: Fast noch übler verhält sich der Entwickler von Grafikkarten in den letzten Wochen und Tagen gegenüber seiner Käuferschaft. Geschäfte bieten nach wie vor das alte Modell Geforce 8800 GTS Modell mit 320 Megabyte Grafikspeicher an. Doch ein chinesisches Vögelchen hat dem Internet nun gezwitschert, dass es sich dabei um ein veraltetes Auslaufmodell handelt und trotzdem liegt der Preis nach wie vor bei fast 300 Euro. Eine Frechheit wenn man bedenkt, dass der Nachfolger mit 256 Megabyte um 200 Euro in die Läden kommen soll, doppelt soviel Speicher wird es für nur 50 Euro Aufpreis geben. Außerdem soll der überarbeitete Chip mit 16 Stream Prozessoren mehr zurecht kommen.

Nun frage ich Sie als Verbraucher: Ist das fair?