Archiv für Dezember 2007

Oase in der österreichischen Service-Wüste

Ein wahre Erfolgserlebnis erfuhr ich heute beim Kauf eines HD-Fernsehers, nachdem ich bereits zuvor in zahlreichen Filialen unterschiedlichen Elektromärkte versucht hatte Rat einzuholen. Kompetente und ehrliche Auskunft erhielt ich von einem HD-Experten in der Starun-Filiale Gerngross, auf der Mariahilferstraße in Wien. Bereits zuvor bin ich durch die Filialen in der Millenium City, SCS, sowie zu Media Markt in Hietzing und Cosmos in Lastaffa gestapft, doch kompetenter Rat? Fehlanzeige.

Es war teilweise ein echtes Trauerspiel, so musste ich etwa erfahren, dass eine ganze Schar von angeblichen „Kaufberatern“ mir keine Auskunft darüber geben konnten, welches Display-Panel (das tatsächliche Display welches sich im Gehäuse des HDTVs verbirgt) sich in den Geräten der Unternehmens-eigenen Marke „Sungoo“ verbirgt. Hallo? Zumindest darüber sollte man seine eigenen – wenn auch teilweise noch sehr jungen – Verkäufer aufklären. Immerhin Einer sollte das doch wissen. Es sind übrigens, wie es auch bei der Firma Teco der Fall ist (was ich von einem höchst engagierten und kompetenten Mitarbeiter erfahren habe), ein älteres Samsung-Panel. Doch wie kann es sein, dass die Unternehmen heutzutage keinen Wert mehr darauf legen das eigene Personal in technischen Belangen richtig zu schulen. Es ist doch nicht etwa wie im Supermarkt, immerhin handelt es sich dabei um Elektrogeschäfte bei denen ich mir den ein oder anderen sinnvollen Rat von einem Verkäufer erwarte. Natürlich muss man deshalb andere Produkte nicht schlecht machen, aber ein bisschen Fachkenntnis und Ehrlichkeit erwarte ich mir da doch.

Gerade beim Spielen mit Videokonsolen wie Playstation 3 oder Xbox 360 würde ich außerdem zuvor gerne einmal Probe spielen, oder zumindest einen DVD-Player anschließen wollen. Doch so etwas ist natürlich nicht möglich. Das Resultat: Man kann sich 1) kein eigenes Bild von den LCD- und Plasma-Geräten machen und bekommt 2) keinen fachgerechten Rat oder irgendeine Form der Hilfestellung. Käufer (und Spieler) sind daher komplett auf sich alleine gestellt und müssen entweder tausende Euro investieren um auf Nummer Sicher zu gehen oder sich durch die Weiten des Internes kämpfen um sich das Wissen selbst anzueignen. Was doch eigentlich die Aufgabe der Verkäufer ist, was die Elektronikgeschäfte allzu oft zu vernachlässigen scheinen. Dass die mangelnde Schulung eine Tatsache ist musste ich allerdings nicht in den letzten Wochen zum ersten Mal feststellen, auch ein Bekannter von mir klagte darüber, dass man die Leute in irgendwelche Abteilungen schicken würde, ohne dass diese auch nur einen Deut mehr Ahnung von der Materie haben als die Kunden selbst.

Soviel zum Thema Service ….

„Crysis“, oder: „Kann ein Hype doch berechtigt sein?“

Hochmut kommt vor dem Fall – davon können vor allem Shooter-Fans ein Liedlein singen, denn kaum ein Genre lebt so sehr von grandios inszenierten Hypes, vorrangig aufgebauscht auf Basis einer ansehlichen Optik. Sei es nun das ewige Beispiel Doom 3 oder neuere Exempel wie Stranglehold: Sie sind grafisch flott, spielerisch enttäuschen sie jedoch aufs Gröbste. Um einen Schritt weiter zu gehen: Eigentlich lässt sich dieses Schema auf einen Großteil der Erscheinungen der letzten Monate und Jahre projizieren. Und jetzt kommt da einfach mal ein deutsches Entwicklerteam namens Crytek daher, baut rund um seinen Zweitling Crysis einen Hype auf wie ihn die Musikindustrie nicht besser hinkriegen würde und schafft vor allem eines – und das ist entscheidend: Nicht zu enttäuschen!

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Welcome to the jungle!
Sie erinnern sich noch an Far Cry? Fiese Söldner bewachen Insel, einsamer Streiter geht dem auf die Spur und bemerkt, dass es noch weit unfreundlichere Wesen als Söldner auf das Eiland verschlagen hat. Tja, so ähnlich grob lässt sich die Story von Crysis auch umreißen – was jedoch nicht heißt, dass sie langweilig und unoriginell wäre. Parallelen drängen sich dennoch auf, denn auch in Crysis kommen Sie zu Beginn völlig ahnungslos auf einer wunderschönen Pazifikinsel an und müssen sich inmitten des Dschungels zurechtfinden. Erster Unterschied: Anstatt eines geschmacklich völlig entgleisten Hawaii-Hemdes wie bei Far Cry-Sprücheklopfer vom Dienst Jack Carver schmiegt sich ein Nano Suit an den Körper des Protagonisten mit dem klangvollen Pseudonym Nomad. Einen besseren Namen hätte man dem Supersoldat der Amis nicht verpassen können – ihn hält es nämlich nicht allzu lange an einem Ort, sondern er infiltriert zusammen mit einem Team aus Nano Suit-Kollegen die Insel, um herauszufinden, warum die Nordkoreaner sich auf einmal mitten im Pazifik breitmachen. Recht schnell wird allerdings klar, dass schlitzäugige Asiaten mit nervösem Finger am Abzug nicht das einzige Problem sind, das potenzielle Urlauber von dem beschaulichen Fleckchen Erde fernhalten könnte, denn ein wahnsinniger General der Koreaner weckt in der Tiefe des Gebirges etwas, das er besser hätte schlafen lassen sollen: Übermächtige Aliens mit einem Faible für Eis haben sich dort nämlich häuslich eingerichtet und übernehmen im Laufe des Spiels die Rolle des Hauptgegners von den Nordkoreanern – wer hier an das Wechselspiel von Söldnern und Mutanten aus Far Cry denken muss, tut das durchaus nicht zu Unrecht. Dass die Eindringlinge vom anderen Stern das Eis nicht nur für lustige Cocktailparties verwenden, sondern damit auch ganze Landstriche einfrieren, macht die ganze Sache nur noch komplizierter. Und so entbrennt ein heftiger Konflikt zwischen coolen Aliens und hitzigen Amis, der mit Spannung und Effektreichtum nicht zu geizen weiß.

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„Woah lääck!“
Effekte? – „Ha, jetzt wird’s richtig interessant, oder?“ – Richtig, wir kommen nämlich zur Grafik: Dass die jedem Optikfetischisten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, wissen wir ja nun schon seit längerem. Aber dennoch: Diese Bildergewalt mit eigenen Augen auf dem eigenen Bildschirm zu sehen, ist nochmal eine ganz eigene Dimension des Staunens. Klar, Shader werden einem hier massenweise um die virtuellen Ohren geklatscht, genauso wie schnieke Explosionen und stimmige Texturen. Tatsächlich sind es aber die Details, die Crysis zu einem echten Festmahl für die Augen werden lassen. Da wäre zum Beispiel ein dezenter Unschärfe- und Verwischeffekt, der auftritt, wenn Sie Ihre Waffe allzu hastig über den Bildschirm bewegen oder per Visier den Feind anpeilen. Zugegeben: Das stiftet zu Beginn des Spiels noch einige Verwirrung und sorgt für Orientierungsschwierigkeiten, zudem sich irgendwie der Verdacht aufdrängt, dass Nomad etwas zu viel vergorene Kokosnüsse genascht haben könnte. Mit der Zeit kommt jedoch dann die Gewöhnung und die Erkenntnis, dass dieser Wischi-Waschi-Effekt einfach nur toll aussieht und den Gefechten eine ungeahnte Dynamik verleiht. Die haben sie jedoch auch so schon zur Genüge, die KI ist nämlich mit allen Gefechtswassern gewaschen und stellt sich ganz im Sinne des Urahnen Far Cry alles andere als blöd an. Zwar kann man sich leider nicht des Eindrucks erwehren, dass die fiesen Schurken im Crytek-Debüt koordinierter und mit mehr Teamwork vorgegangen sind, dennoch fristet auch das eine oder andere helle Köpfchen in den Reihen der koreanischen Armee sein Dasein und macht Nomad das Spec Ops-Leben schwer. Richtig gefährlich wird es in Feuerwechseln jedoch eigentlich nur dann, wenn die schiere Masse der Kontrahenten ihr mäßiges Teamwork wett macht. Dass man sich den Fieslingen von der koreanischen Halbinsel bisweilen dennoch ziemlich überlegen fühlt, ist vor allem dem ominösen Nano Suit zu verdanken, den sich die Supersoldaten aus Übersee überstreifen dürfen. Ausgestattet mit vier verschiedenen Modi verleiht der Anzug dem Träger wahlweise Schnelligkeit, Stärke, Unsichtbarkeit oder Panzerung. Die Sache hat jedoch zwei Haken: Erstens lässt sich immer nur einer der Spezialboni aktivieren und zum zweiten verbraucht der Anzug Energie, welche sich allerdings erfreulicherweise mit der Zeit wieder auflädt. Neben den halbwegs realistischen Waffen und den intelligenten Gegnern bezieht Crysis seinen ansehlichen Taktikgehalt vor allem aus Spielereien mit dem Anzug. Beispiel: Wir wollen einen Gegner möglichst leise ausschalten. Beste Voraussetzung dafür: Der Tarn-Modus, damit das ahnungslose Opfer Nomad nicht erspähen kann. Nachdem wir uns in den Rücken des sich nach wie vor in Sicherheit wiegenden Opfers geschlichen haben, wechseln wir blitzschnell in den Schnelligkeits-Modus und stürmen in Windeseile auf unser Ziel zu, das sich im nächsten Moment völlig überrascht in unserem Würgegriff wiederfindet. Ein letztes Mal schalten wir um – nämlich in den Stärke-Modus, mit dessen Hilfe wir den ergriffenen Soldaten meterweit durch die Luft schleudern. Sie sehen schon: Die Kombinationsmöglichkeiten machen den Reiz aus und schaffen tatsächlich ein erfrischend innovatives und anderes Spielerlebnis wie man es bei vielen Shootern der letzten Zeit ach so schmerzlich vermisst hat.

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Kreativer Suizid
An Physik-Engines in Shootern hat man sich inzwischen gewöhnt wie an das Amen in der Kirche. Dass Crysis es dennoch fertig bringt auch hier zu überraschen, liegt an der Radikalität und Selbstverständlichkeit, mit denen die Naturgesetze ihren Dienst tun. Dass einen da bisweilen vor Staunen der Schlag trifft, haben wir während des Tests mehr als einmal feststellen dürfen; zum Beispiel, als wir einen Helikopter mit gezielten Schüssen aus dem Raketenwerfer Feuer unterm Hintern machen und uns schon als gerettet erwägen, als das Monstrum mit lautem Krachen explodiert. Blöd nur, dass wir am Fuße eines Hügels stehen, der rauchende Rumpf des Hubschraubers weiter oben auf besagtem Hügel aufschlägt, nach unten rutscht und uns gnadenlos platt walzt. Wir folgern: Wenn man selbst nach dem eigenen Tod trotzdem noch glückselig grinsend vorm Monitor sitzt, haben die Entwickler einiges richtig gemacht.
Zudem besonders beeindruckend: Gebäude lassen sich komplett in ihre Einzelteile zerlegen, was vor allem in Gefechten für überraschende Situationen sorgt. Ein Sniper belästigt Sie von seinem Wachturm aus? Kein Problem, eine Granate, in die Nähe des Fundaments des Postens geworfen, zersprengt stilvoll die Streben und der Wachturm kracht spektakulär in sich zusammen. Wenn das mit den Zeugen Jehovas doch nur auch so einfach wäre…
Einfach ist aber auch in Crysis nichts, denn das Spiel befördert Sie quasi einmal quer über die gesamte Insel – Langeweile kommt da mit Sicherheit nicht auf, zumal das Missionsdesign bis auf eine Ausnahme hervorragend gelungen ist und vor Abwechslung nur so strotzt. Panzer fahren, Senkrechtstarter fliegen, mit Jeeps durch die Landschaften brettern – steht alles auf dem Plan. Aber auch per Pedes wird einiges geboten: Von wüsten Guerilla-Gefechten im Dschungel bis zu knallharten Straßengefechten lässt Crysis keinen Wunsch offen, den das zünftige Ballermann-Herz hegen könnte.

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Nicht alles ist Gold…
Ist Crysis also das absolute Über-Spiel, welches weder die Konkurrenz noch die Kritiken fürchten muss? Eigentlich ja, aber völlig perfekt ist auch dieser Titel nicht. Der größte Kritikpunkt offenbart sich am Ende der actiongeladenen Story: Es gibt nämlich keins. Die Handlung bricht quasi mittendrin ab, wir wissen nicht, was aus Nomad wird, wie es auf der Insel weitergeht oder welche finsteren Pläne die Aliens noch so in der Schublade liegen haben. Nähere Details zum Ende des Spiels verraten wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht, das finden Sie dann doch besser selber raus. Fest steht jedoch: Dieser Abschluss schmälert in gewisser Weise auch das gesamte Spielerlebnis. Wofür hat man denn nun 12 Stunden lang mit Nano Suit und Waffengewalt Koreanern und Aliens den Hintern versohlt? Die Antwort folgt dann in Crysis 2? Oder erwarten uns auch aus dem Hause Crytek Episoden wie wir sie von Valve und Half-Life 2 kennen? Wie dem auch sei: Den mitfiebernden Spieler derart ungelenk aus der Geschichte zu reißen, ist ein völlig unnötiger Affront gegen das Spiel als ganzes, das in sich so stimmig und ausgefeilt wirkt und dann am Ende doch noch den Anstrich eines unfertigen Produktes verpasst bekommt. Hätte das wirklich sein müssen?
Und während die Koreaner als Kontrahenten noch makellos bleiben, erlaubt sich Crysis Fehler, sobald die Aliens zum Marsch blasen. Sei es nun, dass die Mission, in deren Verlauf man sich ins Innere der Festung der Außerirdischen begibt und dort herumschwebt (!) wie ein Säugling im Fruchtwasser, zuerst eindrucksvoll, irgendwann aber nur noch nervig ist, oder dass die Invasoren aus dem All, bei deren Design sich das Entwicklerteam anscheinend dankend von den Matrix-Wächtern hat inspirieren lassen, in der Lage sind unseren Anzugheini mit einem Schlag aus der Nähe umzupusten. Wir erinnern uns noch allzu lebhaft an die zahlreichen Beinah-Ausrast-Herzinfarkte, als uns in Far Cry die Mutanten grinsend ins Gesicht sprangen – Crytek anscheinend nicht. Das Leiden geht weiter!
In die Kategorie „Schön, aber nicht konsequent genug“ gehört auch die Tatsache, dass Nomad zwar einen virtuellen Körper besitzt, Waffen wirklich manuell von Feinden einsackt und sich sichtbar schwungvoll über Zäune befördert, Knöpfe und ähnliches jedoch mal wieder von Geisterhand gedrückt werden und Computer sich anscheinend per Gedankenkontrolle bedienen lassen. Hmm…

Fazit:
„Crysis erfülllt selbst die höchsten Erwartungen.“

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen kann, aber Crysis ist tatsächlich mal ein Spiel, das den Hype, der um es veranstaltet wurde, mehr als verdient. Und das will einiges heißen, wenn man bedenkt, dass schon um jedes kleine Bildlein, egal wie belanglos es auch sein mag, ein grandioses Brimbamborium veranstaltet wurde. Crysis selbst kann indes vor allem bei der Grafik aus dem Vollen schöpfen: Was Crytek hier abliefert, lässt selbst den Ärger über die exorbitanten Hardwareanforderungen schwinden, denn optisch ist das Spiel seinen Widersachern – und auch der Ausstattung vieler PCs – meilenweit voraus. Ob nun herrliche Sonnenaufgänge in Landschaften mit sagenhafter Weitsicht oder die einzeln erkennbaren Poren auf der Haut ihrer Feinde – grafisch setzt Crysis definitiv neue Maßstäbe. Dass es keine neuen Maßstäbe setzt, wäre bei der Story hingegen mehr als wünschenswert: An und für sich durchaus unterhaltsam und spannend inszeniert, ist deren Abschluss nämlich ein Rohrkrepierer erster Güte und sorgt für einen bitteren Nachgeschmack nach einem 12 Stunden langen Design-Gourmet. Die Hauptzutat hierfür ist indes der Nano Suit, durch den das Gefühl, ein „cooler“ Supersoldat zu sein, perfekt rüberkommt. In Kombination mit der meistens klugen KI ist Crysis dadurch zudem eine einzige Aneinanderreihung von anspruchsvollen und aufregend inszenierten Gefechten. Dass man sich wie in einem Kinofilm fühlt, liegt nicht an irgendwelchen Skriptsequenzen – das Spiel sorgt durch sich selbst und seine Mechanik dafür. Und genau das ist die große Kunst, die ein Shooter im Jahre 2007 beherrschen muss, um sein Publikum zu begeistern. In sich zu großen Teilen perfekt stimmig, tut sich Crysis lediglich mit der Einführung der Aliens etwas schwer, denen zusätzlich ein marginaler Übermächtigkeits-Nimbus nachhängt. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um DAS Spiel dieses Jahres, um das kein Action-Fan sehenden Auges herumkommt. Absoluter Pflichtkauf!